Smart Home, Smart Watch, Smart Car: Der Siegeszug des Internet der Dinge (IoT) ist nicht mehr aufzuhalten. Die Möglichkeit des digitalen Monitorings und Steuern von Gegenständen in der physischen Welt hat in der IT-Branche einen wahren Hype ausgelöst und gehört inzwischen für immer mehr Menschen zum Alltag – Tendenz steigend. Doch das IoT ist längst nicht auf den Privatbereich beschränkt: Vorreiter in vielen Bereichen ist – wenn auch nicht immer derart öffentlichkeitswirksam – die Industrie.

Unendliche Einsatzmöglichkeiten

Das Internet der Dinge findet sowohl im B2C als auch im B2B Bereich immer mehr Verwendung. Dabei vergeht kaum ein Tag ohne Innovationen. So gibt es zum Beispiel Haarbürsten, die beim Kämmen die Haarstruktur analysieren und Pflegetipps an die entsprechende App auf dem Smartphone senden. Oder Lunchboxes, die das Vorbereiten der Mittagspause durch Rezeptideen und Einkaufslisten erleichtern und die Nährwertangaben des gewählten Essens gleich an die entsprechenden Gesundheitsapps schicken.

Im Industriebereich boomt unter dem Schlagwort Industrie 4.0 oder Connected Industry die Fernüberwachung und Optimierung industrieller Großanlagen, welche beispielsweise die lückenlose Rückverfolgung von Waren im Herstellungsprozess ermöglicht. Darüber hinaus ermöglicht Smart Energy den Energieversorgern, ihre Netzeffizienz und –zuverlässigkeit zu steigern, und Smart Cities bieten innovative Park- oder Verkehrsleitsysteme. Das Internet der Dinge ist damit schon heute ein grundlegender Baustein der Digitalisierung.

Ein harter Wettbewerb

Die Frage lautet deshalb in vielen Bereichen längst nicht mehr, ob das Internet of Things kommt, sondern vielmehr, wann es für mein Unternehmen relevant wird. Die große Herausforderung ist dabei, Geschäftsmodelle zu finden, die realisiert werden können und sich zugleich direkt oder indirekt monetarisieren lassen. Anders ausgedrückt: Möglich ist vieles, aber ist es unter den genannten Bedingungen auch sinnvoll?

Die Geschäftsmodelle gehen dabei über die klassischen, bezahlten oder werbefinanzierten Services hinaus. Der wahre Schatz sind Daten. Der Wettbewerb wird sich am Ende um diese Daten sowie deren Analyse und Nutzung drehen. Vorgelebt wird das bereits im großen Stil von Big Playern wie Google, Amazon, Facebook und Apple. Beim Entwurf eines IoT-Geschäftsmodells muss deshalb auch immer eine Strategie entwickelt werden, um sich gegen diese „Big Player“ zu behaupten. Der harte Wettbewerb ist jedoch nicht die einzige Herausforderung.

Safety First

Sicherheit spielt beim Internet of Things eine große Rolle, denn nur so ist es möglich, Vertrauen beim Nutzer aufzubauen und dadurch Zugang zu den begehrten Daten zu erhalten. DDoS-Angriffe durch Botnetze stellen eine reale Gefahr dar – vor allem, wenn diese bedingt durch die Sicherheitslücken in IoT-Devices wie Kameras, Routern oder Druckern schwerwiegende Schäden anrichten.

Viele dieser Schwachstellen sind aus dem Onlinehandel bereits bekannt und übertragbar. Durch den exponentiellen Anstieg von Devices und die Steuerung von „Dingen“ in der physischen Welt sind die Auswirkungen unter Umständen jedoch viel verheerender als bisher. Man denke nur an einen Herzschrittmacher mit Funkschnittstelle. Doch auch Verantwortlichkeiten sind noch nicht geklärt: Wann haften Hersteller, wann Nutzer und Betreiber? Sicherheit sollte deshalb bei jeder Lösung als zentraler Aspekt anerkannt und von Beginn an etabliert werden. Trotz alles Risiken bietet IoT jedoch ein unschlagbares Potenzial.

Big Data ahoi!

In den meisten Projekten wird aktuell nur ein Bruchteil der Daten ausgewertet, die tagtäglich gesammelt werden. So erkennen viele Ölplattformen zum Beispiel über Sensoren Anomalien; die gewonnenen Daten werden jedoch nicht zur Optimierung oder Steuerung eingesetzt. Das Internet of Things kann dabei helfen, sie zur richtigen Zeit an die richtige Stelle zu bringen. Bevor man sich aber mit dem „wie“ beschäftigt, muss unbedingt das „warum“ beantwortet werden. Ansonsten wird die Veredelung im Sinne „richtiger Ort und richtige Zeit“ nicht funktionieren. Im Klartext: Der Datenhaufen würde nur von A nach B wandern.

Es geht also im ersten Schritt darum, Mehrwerte zu identifizieren, die man aus den Daten gewinnen kann. Dann erst kann eine Strategie entwickelt werden, ob man die relevanten Daten in Echtzeit im ERP-System braucht oder in eine Analytics-Lösung einspeist. Ein weiterer Aspekt ist die Interoperabilität zwischen IoT-Plattformen oder auch bereits existierender Mobil- oder Serviceplattformen. Dies umfasst beispielsweise die Integration von Außendienstmitarbeitern, Fernüberwachung von Wirtschaftsgütern, Flottenüberwachung oder Services von Versicherungen.

Fazit: Das Internet der Dinge ist sowohl im Privatbereich als auch in der Industrie auf dem Vormarsch. Selbst wenn unmittelbar keine monetarisierbare Idee im Unternehmen vorliegt, sollte man nicht einfach nur zusehen. Die Zeit zum Aufbau von Know-how läuft. Die gute Nachricht ist, dass die in der digitalen Welt funktionierenden Geschäftsmodelle recht einfach auf IoT-Bereiche übertragen werden können und man von diesen Erfahrungen profitieren kann.

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Alexander Neuhausen

Alexander ist Principal Analyst und Business Consultant bei diva-e. Mit knapp 15 Jahren Erfahrung im E-Commerce weiß er, wie der Hase läuft. Wenn er sich nicht gerade um die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, Transformation und Innovation kümmert, schreibt er fleißig für die diva-e Blueprints.

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