Der Begriff Digitale Transformation ist in aller Munde und immer mehr Online-Shops entstehen im Netz. Doch viele Unternehmen machen den Fehler und denken, mit dem Aufbau von eigenen Online-Shops wäre die Digitale Transformation bereits abgeschlossen und nachhaltiger Erfolg garantiert. Tatsächlich handelt es sich bei der Digitalen Transformation aber um einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat. Deshalb sollte es nicht überraschen, dass sich nach der Etablierung von Online-Shops schon der nächste große Schritt in diesem Bereich abzeichnet: die Verschiebung von Interfaces.

Schnittstellen im Wandel
Ursache für die zunehmende Verschiebung von Kundenschnittstellen ist die fortschreitende Vernetzung unseres Umfelds und das dadurch entstehenden Internet of Things, in dem intelligent vernetzte Gegenstände als „Internet der Dinge“ unseren Alltag erleichtern sollen. Bislang steckt diese Entwicklung noch in den Kinderschuhen und betrifft vor allem den B2C-Bereich; betrachtet man aber die Trends der letzten Jahre, liegt die Vermutung nahe, dass es zu einer solchen Verschiebung auch bald im B2B kommen wird.

GAFA gibt den Ton an
Nicht zu unterschätzen ist dabei die Macht der Big Player Google, Apple, Facebook und Amazon – kurz GAFA, wobei für den US-Markt noch Microsoft ergänzt werden müsste. Dank ihrer Marktdurchdringung können sie als Gatekeeper funktionieren und so zunehmend die Benutzerinterfaces kontrollieren. Ein Beispiel hierfür ist Amazon, das mit der Einführung des Echo und der Dash Buttons bereits Technologien vorgestellt hat, die den eigentlichen Online-Shop im Browser überflüssig machen. Schon längst sind jedoch auch andere Anbieter in diesem Bereich aktiv, wie Googles HomeKit beweist.

Wer die Interfaces beherrscht, beherrscht den Handel
Doch wie sieht die Zukunft aus? Kaufen unsere Geräte bald selbstständig ein? Speziell für den Bereich der Fast Moving Consumer Goods (FMCG), also der tägliche Gebrauchsgüter, wird dies mit Sicherheit zur Realität. Wer dann die gängigen Kunden-Interfaces beherrscht, wird den Markt beherrschen. Für Hersteller und Händler wird deshalb kein Weg an den Big Playern vorbeiführen. Diese Entwicklung deutet sich allerdings schon heute an: Amazon beispielsweise beweist eine beeindruckende Dominanz. So belegen aktuelle Erhebungen aus den USA, dass Amazon bereits die Hälfte des Umsatzwachstums im amerikanischen E-Commerce ausmacht, und auch in Deutschland dürften 2015 knapp die Hälfte der Umsätze im Online-Handel über Amazon gelaufen sein. Dabei wurden über 45% durch Marketplace Teilnehmer erlöst, an denen Amazon zwischen 7% und 25% Provision verdient.

Fazit: Die Digitale Transformation hat gerade erst begonnen. Es werden in den nächsten Jahren immer wieder neue Technologien auf den Markt kommen und den Zugang zum Kunden verändern. Für Hersteller und Händler darf die Eröffnung eines Online-Shops deshalb nicht die Antwort auf die Digitale Transformation sein – sie ist lediglich ein erster Schritt.

Bild: Nikiparonak/Shutterstock.com

Jan Stöckel

Jan ist mit seinem Experten-Team für die digitale Strategieberatung bei diva-e zuständig. Als Head of Digital Value Consulting hilft er Kunden, ihre vollen Online-Potenziale zu erkennen und sie durch eine ganzheitliche Digitale Strategie auszuschöpfen. Dabei greift er auf mehr als 16 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen und -strategien sowie der Konzeption, Umsetzung und Betreuung von Online-Portalen zurück. Alle Autoren anzeigen

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