In einer Zeit, in der Handys stark verpixelte schwarz-weiß Bildschirme hatten und die meisten Nutzer ihr Telefon tatsächlich noch zum Telefonieren nutzen, boomte der Handel mit Klingeltönen und Bildern. Nutzer mussten dafür lediglich einen Code, den sie auf der Rückseite von Zeitschriften oder im TV sahen, per SMS an die angegebene Nummer schicken und schon konnten sie sich mit der Titelmusik von Titanic oder dem neuesten Song von Bryan Adams wecken lassen.Bezahlt wurde mit der nächsten Handyrechnung. Doch was mit hippen Klingeltönen und lustigen Bildern anfing, etabliert sich heute – digitalem Fortschritt und Smartphones sei Dank – immer mehr als bequeme Zahlungsalternative im Alltag. Egal, ob auf dem Flohmarkt, an der Parkuhr oder beim Wocheneinkauf – Mobile Payment erobert die Welt. Doch was steckt hinter dieser Technologie?

 

Mobile Payment – Was ist das eigentlich?

Das mobile Bezahlen – auch Mobile Payment oder kurz M-Payment genannt – ermöglicht es, bequem über mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets zu bezahlen. Durch die Nutzung bestimmter Technologien kann so nahezu überall bargeldlos und kontaktlos bezahlt werden. Dabei wird der Bezahlvorgang oder die Transaktion über einen Dienstleister abgewickelt, der für den Kunden in Vorkasse geht, um anschließend den Betrag per Lastschrift von dessen Konto einzuziehen. Vor allem im Micropayment-Bereich, also bei der Zahlung von Kleinbeträgen unter 5€, wird diese Bargeld-Alternative immer beliebter. Die Einsatzmöglichkeiten sind jedoch nicht nur auf Bezahlungen an Automaten oder im stationären Handel begrenzt: Auch online kann mobil bezahlt werden und selbst der Geldtransfer zwischen Endkunden ist möglich. Trotzdem stehen diesem Trend in Deutschland viele Menschen skeptisch gegenüber; vor allem Sicherheitsbedenken werden immer wieder genannt. Dabei bietet Mobile Payment zahlreiche Vorteile:

 

Vorteile für User

  • Einfach und schnell
    Die Nutzung von NFC-Technologie, Barcodes und co. ermöglicht kontaktloses Zahlen; in manchen Fällen muss das Gerät hierfür nicht einmal gestartet werden. Da diese Techniken unabhängig vom Internet ist, funktioniert sie auch, wenn sich der Kunde in einem Funkloch befindet oder kein mobiles Internet besitzt.

  • Sicher
    Bei den meisten Apps wird beim Start ein Sicherheitscode oder Fingerabdruck-Scan gefordert. Darüber hinaus arbeiten sie mit Tokens, wodurch am Lesegerät im Geschäft keine „echten“ Kreditkarteninformationen übermittelt werden. Die Transaktionen laufen stattdessen über Codes zur einmaligen Verwendung, was die Bezahlmethode recht sicher macht.

  • Weiter verbreitet, als man denkt
    Auch wenn das Bezahlen via Smartphone noch ein seltener Anblick ist – technisch ist es schon jetzt fast überall möglich. In den meisten Fällen wird hierfür eine virtuelle Kreditkarte simuliert. Das bedeutet, dass überall da, wo Händler die kontaktlose Bezahlung per Kredit- oder EC-Karte anbieten, in der Regel auch Mobile Payment möglich ist.

  • Bequem
    Egal ob beim Bäcker, am Straßenkiosk oder an Parkuhren: Das Bezahlen von Kleinstbeträgen ist oft nur mit Bargeld möglich – und an Automaten nicht selten nur mit bestimmten Münzen. Durch Mobile Payment wird das Bezahlen von Kleinstbeträgen enorm vereinfacht – und die Münzsuche hat ein Ende.

  • Transparent
    Viele Apps bieten neben der eigentlichen Bezahlfunktion auch eine Übersicht zu getätigten Ausgaben. Auf diese Weise wird es für den Verbraucher leichter, den Überblick zu behalten.

 

Eine globale Erfolgsgeschichte

Egal, ob in Amerika, Afrika, Australien, Asien oder Europa – Mobile Payment wird auf der ganzen Welt immer beliebter. Die Branchenriesen Apple und Android mischen dabei kräftig mit und setzen sich zunehmend auch im Mobile Payment als Global Player durch:

Apple Pay
Apple ist mit seinem hauseigenen Online Bezahldienst Apple Pay für das iPhone 6 im September 2014 in den USA gestartet und beeinflusst seitdem den Markt massiv. Mittlerweile ist die auf NFC basierende App unter anderem auch in Großbritannien, Frankreich, Kanada, Australien, China oder Russland erhältlich. Es gibt Hinweise, dass das System noch dieses Jahr für den deutschen Markt freigeschalten werden könnte.

Android Pay
Seit September 2015 können Google Kunden dank Android Pay ihre Einkäufe mit einem NFC-fähigen Smartphone schnell und einfach bezahlen – und das ganz ohne App. Das Smartphone muss nur entsperrt sein, um mit einem Tippen auf das Display die Datenübertragung über eine NFC-geeignete Kasse auszulösen. Zugleich kombiniert Android Pay Mobile Payment mit einem Bonusprogramm, das weitere Kaufanreize schaffen soll.

Neben diesen Big Playern gibt es allerdings auch lokale Anbieter wie Alipay, Weixin/WeChat Pay oder M-Pesa, die in manchen Ländern den Markt dominieren. Schließlich ist nicht jede Methode überall verfügbar – geschweige denn gleich beliebt. Händler müssen deshalb die lokalen Märkte und Anbieter genau analysieren, um die Erwartungen der Kunden zu erfüllen und erfolgreich in einem Markt zu launchen.

 

Und in Deutschland?

In Deutschland konnte sich Mobile Payment bislang nicht durchsetzen – selbst die großen Anbieter scheinen nur zögerlich in den deutschen Markt vorzudringen. So sind zum Beispiel Android Pay und Google Pay bislang nicht verfügbar. Mit Boon, Payback Pay oder verschiedenen Händler-Apps (z.B. EDEKA App oder Netto App) gibt es allerdings schon jetzt einige Alternativen. Es bleibt deshalb abzuwarten, wie sich dieser Trend weiter entwickeln wird. Schon in einigen Jahren könnte sich Mobile Payment durchgesetzt haben und wir werden die Zeiten, in denen wir gehetzt nach Kleingeld gesucht haben, genauso belächeln wie die, in denen wir sehnsüchtig den neuesten Klingelton für unser großes Handy mit dem verpixelten schwarz-weiß Display erwartet haben.

Christina Klein

Christina arbeitet als Werkstudentin im Bereich Marketing und Social Media. Sie studiert den Master Interkulturelle Personalentwicklung und Kommunikationsmanagement, reist gerne und interessiert sich für alles Internationale. Alle Autoren anzeigen

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