Seit ein paar Tagen ist er ja schon erhältlich, deshalb an dieser Stelle ein paar Hintergründe zum aktuellen E-Commerce Blueprint Vol. 1.1. Inhaltlich beschäftigen wir uns erneut mit einer ausführlichen Analyse relevanter Anbieter von B2B E-Commerce-Lösungen für den deutschen Markt.

Dabei liegt der Fokus tatsächlich auf dem Bereich B2B mit all seinen Facetten, wobei wir genau untersuchen, welche Potenziale die Lösungen bieten und wie sie im Vergleich in den verschiedenen Kategorien wie Feature-Set, Time-to-Market oder Kosten abschneiden. Hierbei liegt ein besonderes Augenmerk auf Praxisrelevanz. Es zählt also nicht eine möglichst hohe Dichte an Marketingschlagworten in der Feature-Liste, sondern die Eignung für reale B2B-Szenarien, egal ob Händler, Hersteller oder auch Primärsektor.

Zwei Dinge, die beim Lesen – sofern man die erste Auflage aus 2014 kennt –sicherlich auffallen: Die Liste der Anbieter setzt sich nach einem Jahr leicht verändert zusammen und nicht alle Anbieter haben sich automatisch in allen Bereichen verbessert. Aber wieso?

Der erste Punkt ist relativ einfach zu beantworten. Mode ändert sich, Kollektionen ändern sich und genauso ändert sich auch der Markt der Softwareanbieter ständig. Durch den Zukauf von hybris hat SAP seine eigene Lösung WCEM abgekündigt, sodass eine erneute Betrachtung nicht sinnvoll war; dafür sind andere Lösungsansätze wie Shopware oder Spryker in den Fokus einer breiteren Öffentlichkeit gelangt, weshalb eine Untersuchung notwendig wurde.

Der zweite Punkt, also warum sich nicht alle Anbieter verbessert haben, ist schon schwieriger zu beantworten und erklärt sich nur, wenn man die verschiedenen Lösungen und deren Evolution genau betrachtet. Dann wird nämlich in vielen Fällen ein deutliches Missverhältnis zwischen Marketing und realer Lösung sichtbar. Große Sprünge in der Qualität sind selten, echte Innovationen noch viel seltener. Und so liegt es oft an einer neuen Verpackung und dem dazugehörigem Marketing dies zu kompensieren. Unser Anspruch war es aber einen möglichst objektiven und wirklichkeitsnahen Blick auf die Lösungen zu werfen, denn Fakt ist: Fast alle Branchen und Industrien ändern sich rasant und stetig, Geschäftsmodelle werden obsolet oder entstehen völlig neu, die Erwartungshaltungen der Kunden wächst und die Loyalität sinkt und all dem muss eine Standardsoftware letztlich gerecht werden.

Um diesen Perspektiven Rechnung zu tragen, haben sich also nicht nur Anbieterfeld, sondern auch Bewertungskriterien geändert. Gewichtungen wurden der Realität angepasst, und eine komplett neue Kategorie soll helfen, echte Potentiale für das eigene Unternehmen zu erkennen. Unter der Rubrik Digital Transformation finden sich Fragen, die wir als beratende Agentur regelmäßig von Unternehmen gestellt bekommen: Wie flexibel lässt sich die eigene Wertschöpfungskette abbilden, wie lassen sich Geschäftsmodelle anpassen oder komplett neu abbilden, in welchen Bereichen der Customer Journey unterstützt die E-Commerce-Plattform, wie lassen sich externe Dienstleister einbinden, und wie einfach lassen echte Innovationspotentiale für das eigene Unternehmen erschließen.

Genau diese Themen sind in der aktuellen Ausgabe wesentlich, denn das „Standard“ E-Commerce-Feature-Set ist bei fast allen Lösungen identisch; erkennbare Unterschiede gibt es bei B2B-spezifischen Themen wie beispielsweise Organisationsverwaltung, Vertragsmanagement, strategischer Einkauf oder Schnittstellen, aber die Spreu trennt sich erst vom Weizen bei der digitalen Transformation. Hier haben fast alle Anbieter noch großes Verbesserungspotential. Jeder vermarktet es momentan als großes Schlagwort – die Realität hinkt aber häufig noch sehr dem Versprochenem hinterher. Denn genauso wenig wie die Anzeige eines kundenspezifischen Preises DAS Killerfeature im B2B ist, ist der elektronische Katalog mit integriertem CMS eine ausreichende Antwort auf aktuelle und dringende Fragen vieler Unternehmen.

Alexander Neuhausen

Alexander ist Principal Analyst und Business Consultant bei diva-e. Mit knapp 15 Jahren Erfahrung im E-Commerce weiß er, wie der Hase läuft. Wenn er sich nicht gerade um die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, Transformation und Innovation kümmert, schreibt er fleißig für die diva-e Blueprints. Alle Autoren anzeigen

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