Kaum eine Branche ist so dynamisch wie der E-Commerce: Alles muss schnell sein und sich stetig weiterentwickeln. Wer in dieser Situation Trends ignoriert oder sie zu spät bemerkt, verliert. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen und die Trends, die uns in den nächsten Jahren begleiten werden, genauer unter die Lupe zu nehmen:

Better Together: Marktplätze und Multi-Anbieter Shops
Die Sichtbarkeit des eigenen Angebots im Internet sicherzustellen, wird immer schwieriger: Die Algorithmen der Suchmaschinenanbieter verändern sich ständig und die Konkurrenz im E-Commerce wächst. Während aber immer mehr Anbieter auf den digitalen Markt strömen, kommt es auf Seiten der Kunden zum Umdenken: Einkaufsabteilungen konsolidieren ihre Lieferanten und wünschen sich möglichst wenige Bezugsquellen und Kontaktpunkte. Wer unter diesen Bedingungen bestehen will, muss kreativ werden – und sich Verbündete suchen. Immer häufiger werden daher Allianzen zwischen Anbietern mit komplementärem Produktportfolio geschlossen; gemeinsame Online-Shops und Marktplätze entstehen. Auf diese Weise können Unternehmen Synergien nutzen, beispielsweise in den Bereichen Marketingbudget oder Content, und dadurch ihre Sichtbarkeit erhöhen. Außerdem steigern sich durch Up- und Cross-Selling die Umsatzpotenziale. Dieser Trend stellt für E-Commerce-Anbieter jedoch auch eine Herausforderung dar: E-Commerce-Prozesse zwischen Herstellern und Partnern müssen harmonisiert und Logistikprozesse angepasst werden. Soll beispielsweise ein zusätzliches Lager mit Kapitalbindung entstehen oder doch lieber ein Streckengeschäft mit Einzellieferungen umgesetzt werden? Darüber hinaus kann es bei Teilsortimenten zu Wettbewerbssituationen kommen und unterschiedliche Markenwahrnehmungen zu Unsicherheiten beim Kunden führen. Um das Potenzial gemeinsamer Marktplätze und Multi-Anbieter Shops voll nutzen zu können, muss ihre Umsetzung also gut geplant und Chancen und Risiken genau abgewogen werden.

Crowd Sourcing: Vom Online-Shop zum Experten Portal
Content Marketing gilt als Schlagwort der Stunde: Kaum ein E-Commerce-Anbieter, der sich nicht daran versucht. Durch spannende, informative oder unterhaltsame Beiträge sollen Interessenten auf die eigene Website gelockt und bestehende Kunden an das Unternehmen gebunden werden. Doch bei der alleinigen Bereitstellung von Content wird es nicht lange bleiben: In naher Zukunft wird es verstärkt um die Interaktion mit Kunden und das Erzeugen von User-Generated-Content gehen. Viele Hersteller arbeiten bereits an Kommunikationskonzepten, die ihre Kunden aktiv miteinbeziehen sollen. So versuchen sie zum Beispiel, möglichst viele Influencer, Experten und Entscheider für ihr Angebot zu begeistern oder eine zentrale Knowledge-Base zu Fachthemen rund um eigene Produkte und Marken aufzubauen. Für Unternehmen wird es zudem immer wichtiger werden, gezielt Informationen über ihre Zielgruppe zu sammeln, um so bestehende Angebote zu verbessern und neue Produkte passgenau entwickeln zu können. Verbunden mit dem immer wichtiger werdenden Social Forecasting, das Trends frühzeitig aufdecken soll, werden diese Informationen Unternehmen die Möglichkeit bieten, ihre strategische und operative Ausrichtung zu optimieren, um den Herausforderungen des Marktes schneller und effizienter begegnen zu können.

Think Global: Internationalisierung 2.0
Die meisten B2B-Hersteller haben inzwischen das Thema E-Commerce für sich entdeckt und beispielsweise durch den Aufbau einfacher Länderwebseiten erste Schritte in Richtung Internationalisierung unternommen. Weltweit wachsende Informationstechnologien machen es dabei so einfach wie nie, einen internationalen Vertrieb aufzubauen. Diese Länderwebseiten werden nun zunehmend zu integrierten E-Commerce-Systemen ausgebaut werden, bevor in einem nächsten Schritt die Expansion in unbekanntere Länder bevorsteht. Ein solcher Schritt in Richtung Internationalisierung geht mit vielen Herausforderungen einher: Kulturelle, infrastrukturelle und politische Bedingungen müssen berücksichtigt werden, wenn der Markteintritt gelingen soll. Natürlich sollten diese Faktoren bereits bei der Expansion in europäische Nachbarländer beachtet werden; ihre Bedeutung steigt aber, je fremder die Kultur und das Alltagsleben der Zielregion erscheinen. So müssen Unternehmen zum Beispiel rechtliche Aspekte berücksichtigen, die richtigen Partner auswählen, den Investitionsbedarf ermitteln oder Logistikfragen klären. Darüber hinaus müssen sie ihre Kunden und deren Gewohnheiten kennen, um maßgeschneiderte Angebote liefern zu können. Will ein Unternehmen dauerhaften Erfolg auf der internationalen Bühne haben, muss es sich also intensiv mit der Zielregion auseinandersetzen und Kundendaten sammeln, um sich optimal an lokale Märkte anpassen zu können. Was man dabei berücksichtigen kann, zeigt der aktuelle Blueprint.

Fazit: Die Konkurrenz im E-Commerce wächst. Wer sich im immer härter umkämpften Markt durchsetzen will, muss sich deshalb kontinuierlich weiterentwickeln und aktuelle Trends bei der Entwicklung eigener Strategien berücksichtigen. In nächster Zeit werden in diesem Kontext vor allem gemeinsame Marktplätze bzw. Multi-Anbieter Shops, Crowd Sourcing und Internationalisierung an Bedeutung gewinnen – gemeinsames Handeln wird damit zum Schlüssel für den digitalen Erfolg.

Bild: Afishka/Shutterstock.com

Jan Stöckel

Jan ist mit seinem Experten-Team für die digitale Strategieberatung bei diva-e zuständig. Als Head of Digital Value Consulting hilft er Kunden, ihre vollen Online-Potenziale zu erkennen und sie durch eine ganzheitliche Digitale Strategie auszuschöpfen. Dabei greift er auf mehr als 16 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen und -strategien sowie der Konzeption, Umsetzung und Betreuung von Online-Portalen zurück. Alle Autoren anzeigen

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