Die Verknüpfung und Optimierung von Betriebsvorgängen mit neuen digitalen Bausteinen wie Machine Learning, Algorithmen und Artificial Intelligence stellen eine gute Möglichkeit dar, das eigene Firmenpotenzial besser auszuschöpfen. Zugleich konfrontieren sie jedoch erprobte Geschäftsmodelle mit der neuen Herausforderung, das eigene datengetriebene Potenzial strategisch optimal auszuschöpfen. Die meisten Unternehmen scheuen sich vor einer internen Stellenvergabe, die sich ausschließlich mit den technischen Umsetzungen eines digitalen Wandels befasst. Oft übernehmen deshalb CEO (Chief Executive Officer) oder CIO (Chief Information Officer) die Verantwortung oder beauftragen Marketing- und IT-Abteilungen damit; in vielen Fällen werden sogar gar keine klaren Zuweisungen getroffen. Doch wie könnte dieser Prozess besser laufen?

 

CDOs: Treiber des Veränderungsprozesses

Wer sich mit dieser Thematik bereits eingehender befasst hat, denkt jetzt vielleicht an die viel diskutierte Position des Chief Digital Officers (CDO), welcher als umfassende Anlaufstelle für die strukturierte Digitalisierung von Unternehmen immer unerlässlicher wird. Diese Person führt Unternehmen gezielt in die notwendigen Bahnen der digitalen Transformation, treibt als Bindeglied zwischen den entscheidungsrelevanten Ebenen Veränderungen im Dialog voran und führt diese durch eine fachlich geschulte Organisation sowie Potenzialermittlung und -ausschöpfung gleichsam durch.

Sein Erfordernis lässt sich deshalb für Unternehmen, die in Zukunft digital handlungsfähig werden und bleiben wollen, guten Gewissens bejahen. Der vermehrte Einsatz von künstlicher Intelligenz und Machine Learning wirft allerdings die Frage auf, ob für diesen spezifisch technologischen Bereich eine eigene Stellenbesetzung in Form eines CAIOs (Chief Artificial Intelligence Officers) erforderlich wird, um den eigenen Wettbewerbsvorteil weiter auszubauen.

 

Einsatzgebiete des CAIO

Ein CAIO kann durch gezielte Strategien ungenutzte Datensilos in einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil ausbauen und in enger Zusammenarbeit mit den Kostenstellen finanzielle Ausgaben reduzieren. Er wird in enger Absprache mit dem CTO (Chief Technology Officer) sowie CIO (Chief Information Officer) innovative digitale Lösungsansätze anhand der bestehenden Produktpalette entwickeln und dabei den Einsatz von Machine Learning unternehmensübergreifend vorantreiben. Dazu wird er interne Stärken und Schwächen ausloten, um anschließend Lösungen für eine konkrete unternehmensbezogene AI-Strategie zu erarbeiten. Außerdem wird er neue, AI-fokussierte Partnerschaften knüpfen und relevante Plattformen aufspüren, um schlussendlich durch den unternehmensweiten Einsatz der entwickelten AI-Verbesserungen die Kundenzufriedenheit und Produktauswahl zu optimieren.

 

Was sollten potenzielle CAIOs mitbringen?

Der ideale Kandidat ist sowohl im „greifbaren“, als auch digitalen Wettbewerb erprobt und zeichnet sich durch seine Teamfähigkeit und Eigeninitiative aus. Er hat einen lösungsorientierten und innovativen Umgang mit datengetriebenen Anwendungen und verfügt über jahrelang gefestigte Erfahrung und eine herausragende Expertise in diesem Bereich. Zusammenfassend zeigt er:

  • akademische Vorbildung im IT-Bereich
  • mindestens zehn Jahre branchenspezifische Berufserfahrung
  • unmittelbare Erfahrungen auf den technischen Gebieten Cloud Computing, Machine Learning sowie Datenanalyse und -auswertung
  • natürliche Führungskompetenz, gefestigt durch entsprechend leitende Positionen in Großunternehmen
  • Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Start Up‘s
  • mehrjährige Erfahrungen auf dem Gebiet der Errichtung oder Weiterentwicklung sowie Implementierung datengetriebener Lösungen für Produkte und Plattformen, die sich im Schwerpunkt durch Machine Learning oder Cloud Computing vollzogen haben

 

Die künftige Rolle des CAIO

Im Rahmen der digitalen Transformation kann dieser hochqualifizierte CAIO, in enger Zusammenarbeit mit dem übrigen AI-Team, den digitalen Wandel weiter vorantreiben und strategische Wettbewerbsvorteile ausloten, die sich als nachhaltiger Wertzuwachs im Unternehmen niederschlagen. Langfristig gesehen wird sich der Erfolg seiner Rolle parallel zu den technischen Fortschritten der künstlichen Intelligenz entwickeln und gemeinsam mit diesen wachsen. Dadurch, dass datengetriebene Prozesse im Wettbewerb eine immer größere Rolle spielen werden, wird auch der Ruf nach entsprechendem Fachpersonal immer lauter werden. Und ebenso, wie sich der Verantwortungsbereich der AI innerhalb von Unternehmen zusehends erweitert, wird das Aufgabenspektrum des CAIOs im weiteren Verlauf der digitalen Revolution kontinuierlich wachsen. Diese Entwicklungen werden im Laufe der nächsten Jahre – durch die digitale Transformation selbst vorangetrieben – sowohl an Schnelligkeit als auch an Innovation zunehmen und dadurch zugleich innerhalb der Unternehmen einen immer zentraleren Stellenwert erringen.

 

Ersetzt der CAIO also den CDO?

Die Integration intelligenter Datensysteme bietet zukunftsorientierten Unternehmen nicht nur Vorteile, sondern konfrontiert sie zugleich intern mit den Herausforderungen, die richtigen AI-Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Entscheidungsträgern stellt sich die Frage: Was sind die Mindestanforderungen an ein AI-Team in diesem Stadium der digitalen Transformation und welche Positionen sind innerhalb eines solchen unentbehrlich?

Ein CAIO als Katalysator für die Unmengen von Daten innerhalb des Wertschöpfungsprozesses kann durchaus gewinnbringend sein. Und der Nutzen, den eine solche Position – wenn sorgfältig besetzt – ausschütten kann, ist enorm, sodass eine solche Investition durchaus wertvoll erscheint. Doch läuft die digitale Revolution gerade erst warm.

Unternehmenslandschaft und Verbraucher müssen zunächst den Gedanken einer Digitalisierung des Marktes vollständig annehmen, um den idealen Nutzen daraus ziehen zu können. Bevor allzu kleinteilige AI-Strategien entwickelt werden können, bedarf es zunächst eines soliden Grundverständnisses für die Bedürfnisse des Marktes in seinem aktuellen Status sowie des darauf basierenden datengetriebenen Veränderungspotenzials. Dazu werden zunächst Schnittstellenbesetzungen wie die des Chief Digital Officers (CDO) und des Chief Data Scientists benötigt, die sich grundlegend mit der Analyse und Einbindung von Digitalisierungsstrategien befassen. Erst wenn Unternehmen diesen ersten und fundamentalen Wandel vollzogen und AI als festen Unternehmensbestandteil etabliert haben, kann über darauf aufbauende Positionen wie die des CAIOs nachgedacht werden.

 

Fazit: Ein CAIO wird in einem bereits digitalisierten Unternehmen die Möglichkeiten für AI-Anwendungen sowie deren größtmöglichen Nutzen offenlegen. Doch die anfänglichen Probleme, die eine solche digitale Disruption mit sich bringt, wird eine technisch hoch qualifizierte und innovationsgetriebene Position nicht lösen können. Die Skills und Aufgaben eines potenziellen CAIOs sollten deshalb durch die Funktion des Chief Digital Officers (CDO) mit Ergänzungen und Verbindungen zum Chief Data Scientist abgedeckt werden. Unternehmen laufen sonst Gefahr, inflationär mit dem Executive-Label umzugehen und nicht-synchronisierte Schattenorganisationen aufzubauen.

Peter Gentsch

Prof. Dr. Peter Gentsch ist Managing Partner bei diva-e und besitzt langjährige Erfahrung als Consultant und Coach für namhafte Industrie- und Dienstleistungsunternehmen. Er hat zahlreiche Projekte im Bereich CRM, Business Intelligence, E-Business und Social Media geleitet und durchgeführt. Außerdem ist er Initiator des Social Media Excellence Kreises sowie Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Betriebswirtschaftslehre an der HTW Aalen mit den Schwerpunkten Marketing und Social Media.

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